Ein ETF Sparplan gehört zu den besten Möglichkeiten, langfristig Vermögen aufzubauen. Doch die Kosten variieren je nach Anbieter erheblich – und scheinbar kleine Unterschiede kosten dich über 30 Jahre Tausende Euro. Wir vergleichen alle großen Anbieter 2026 transparent – mit echten Zahlen.
Inhalt
Welche Kosten fallen bei ETF Sparplänen an?
Bevor du Anbieter vergleichst, musst du verstehen, wo Kosten überhaupt entstehen. Es gibt drei Kostenebenen – und viele Anleger achten nur auf eine davon:
1. Ordergebühren (Ausführungsgebühren)
Jedes Mal, wenn dein Sparplan ausgeführt wird – also monatlich, vierteljährlich oder wöchentlich – fällt eine Ordergebühr an. Manche Broker berechnen 0 € (Scalable Prime, Trade Republic), andere bis zu 1,5% der Sparrate (klassische Banken).
Bei 200 €/Monat Sparrate kostet 1% Ordergebühr monatlich 2 €. Über 30 Jahre sind das 720 € direkte Kosten – plus entgangene Rendite auf dieses Geld, zusammen leicht über 1.500 €. Klingt wenig, aber es summiert sich.
2. TER – Total Expense Ratio (ETF-Kosten)
Die TER (Total Expense Ratio) ist die jährliche Kostenkennzahl des ETFs selbst. Sie wird täglich anteilig vom Fondsvermögen abgezogen – du siehst sie nicht direkt, sondern sie schmälert die Kursrendite.
10.000 € Depotwert × 0,20% TER = 20 € Kosten/Jahr
10.000 € Depotwert × 0,50% TER = 50 € Kosten/Jahr
→ Bei 100.000 € und 0,20% vs. 0,07% TER: 130 € Unterschied pro Jahr
Für einen MSCI World ETF zahlst du bei Xtrackers (IE00BJ0KDQ92) nur 0,07% TER, beim iShares Core MSCI World UCITS ETF (IWDA) 0,20% TER. Langfristig macht das einen erheblichen Unterschied.
3. Spread
Der Spread ist die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufspreis eines ETFs an der Börse. Bei großen, liquiden ETFs (MSCI World, S&P 500) ist er minimal (0,01–0,05%), bei kleinen Nischen-ETFs kann er 0,5–1% betragen. Für Sparpläne weniger relevant, da zu festgelegten Kursen ausgeführt wird.
4. Depotgebühren
Bei den meisten Neobroker und Direktbanken ist die Depotführung kostenlos. Filialbanken und manche Direktbanken berechnen noch bis zu 24 €/Jahr – mittlerweile aber die Ausnahme.
Anbieter-Vergleich 2026: Die große Tabelle
| Anbieter | Gebühr/Ausführung | Mindestrate | ETF-Auswahl | Depot | Bewertung |
|---|---|---|---|---|---|
| Trade Republic | 1 € fix | 1 € | 8.000+ | Kostenlos | Top-Wahl |
| Scalable Capital PRIME+ | 0 € (2,99 €/Mo Abo) | 1 € | 2.000+ | Kostenlos | Top-Wahl |
| Scalable Capital FREE | 0,99 € | 1 € | 2.000+ | Kostenlos | Gut |
| ING | 1 € (min. 0,23%) | 1 € | 800+ | Kostenlos | Gut |
| DKB | 1,50 € (Aktionsetfs: 0 €) | 25 € | 700+ | Kostenlos | Gut |
| comdirect | 1,5% (mind. 1,50 €) | 25 € | 2.100+ | Kostenlos | Mittelfeld |
| Consorsbank | 1,5% (mind. 1,50 €) | 25 € | 1.800+ | Kostenlos | Mittelfeld |
| Volksbank / Sparkasse | bis 2,5% | 50 € | gering | bis 24 €/Jahr | Teuer |
Stand: Mai 2026. Konditionen können sich ändern – vor Abschluss direkt beim Anbieter prüfen.
Neobroker im Detail: Trade Republic vs. Scalable Capital
Beide dominieren den deutschen Markt für ETF-Sparpläne und sind für die meisten Anleger die erste Wahl. Doch sie haben unterschiedliche Stärken:
Trade Republic: Einfachheit siegt
Trade Republic hat sich mit seiner radikalen Einfachheit durchgesetzt. Die App ist sehr übersichtlich, der Sparplan läuft auf Knopfdruck. 1 € Flatrate pro Ausführung – unabhängig von der Sparrate. Bei 25 € Sparrate sind das 4%, bei 500 € Sparrate nur 0,2%.
- ✅ 8.000+ Sparpläne auf ETFs, Aktien, Krypto
- ✅ Rund-um-die-Uhr-Handel zu fairen Kursen
- ✅ 2% Zinsen auf Guthaben (Stand 2026)
- ✅ Einfachste Bedienung am Markt
- ❌ Keine Desktop-App
- ❌ Weniger Research-Tools als Scalable
Scalable Capital: Mehr Kontrolle, flexibler
Scalable Capital bietet zwei Modelle: Das FREE-Modell (0,99 € pro Sparplanausführung) und das PRIME+-Modell (2,99 €/Monat, alle Sparpläne kostenlos). Wer mehrere Sparpläne gleichzeitig bespart, profitiert ab 4 Ausführungen pro Monat vom PRIME+-Abo.
Rechnung: 4 Sparpläne × 0,99 € = 3,96 €. Das PRIME+-Abo kostet 2,99 €. Ab 4 monatlichen Ausführungen lohnt sich das Abo. Wer z.B. MSCI World + EM + Small Cap + Bonds bespart, spart 12 €/Jahr – und hat freien Handel für 0 €.
Direktbanken: ING, DKB, comdirect
ING: Die solide Volksbank des Internets
Die ING ist für viele Deutsche die erste Direktbank – und das aus gutem Grund. Kostenlose Depotführung, einfache Bedienung, etabliertes Haus. Der Sparplan kostet 1 € pro Ausführung (Mindest: 0,23%). Wer bereits ein ING-Girokonto hat, kann den Sparplan nahtlos integrieren.
Nachteil: Die ETF-Auswahl ist geringer als bei Neobroker (~800 ETFs). Für Standard-Sparpläne wie MSCI World oder MSCI All Country ist das aber kein Problem.
DKB: Für sparplan-erfahrene Anleger
Die DKB bietet ebenfalls kostenlose Depots und regelmäßige Aktions-ETFs (0 € Sparplangebühr). Die Plattform wirkt etwas älter, bietet aber solide Funktionen. Mindestrate: 25 €. Besonders attraktiv, wenn du auch ein DKB-Girokonto nutzt.
comdirect: Wenn Vollsortiment wichtiger ist als Kosten
comdirect (Tochter der Commerzbank) ist teurer: 1,5% pro Ausführung, mindestens 1,50 €. Dafür gibt es ~2.100 ETFs im Angebot, ausgefeiltes Research und gute Tools für aktive Anleger. Für reine Sparplan-Anleger meist zu teuer.
Rechenbeispiel: 200 €/Monat über 30 Jahre
Theorie ist gut – Zahlen überzeugen. Hier siehst du, wie viel Unterschied die Kosten wirklich machen. Annahmen: 200 €/Monat, 7% durchschnittliche Jahresrendite (MSCI World historisch), VWCE ETF mit 0,22% TER.
📊 Szenario A: Trade Republic (1 €/Monat Gebühr)
📊 Szenario B: Filialbank (1,5% Gebühr, 0,5% TER-ETF)
Das ist kein Denkfehler: Gleiche Sparrate, gleiche Rendite – aber 30 Jahre lang 1,5% TER statt 0,22% kosten dich fast 68.000 € Endvermögen. Das ist der Zinseszins-Effekt auf Kosten. Deshalb ist die Wahl des günstigsten Anbieters eine der wichtigsten Finanzentscheidungen überhaupt.
Versteckte Kosten – das übersehen die meisten
Fremdwährungsspesen
ETFs, die in USD notiert sind (z.B. viele US-Aktien), werden bei manchen Brokern mit einem Währungsaufschlag von 0,1–0,5% gehandelt. Bei UCITS-ETFs in EUR (was du nutzen solltest) ist das kein Thema.
Steuerliche Unterschiede: Steuereinfache vs. steuerkomplizierte ETFs
Nicht alle ETFs sind steuerlich gleich behandelt. Steuereinfache ETFs (UCITS, in Irland oder Luxemburg aufgelegt) berechnen Steuern automatisch über deinen deutschen Broker. Komplizierte Konstrukte (z.B. US-amerikanische ETFs, bestimmte Zertifikate) erfordern manuelle Steuererklärung. Halte dich an UCITS-ETFs mit deutschem Broker.
Produktwechsel-Risiko bei Neobroker
Neobroker sind junges Unternehmen – was heute kostenlos ist, kann sich ändern. Trade Republic hat z.B. die Kryptogebühren angepasst. Achte auf die Konditionen in deinem Sparplanvertrag und prüfe einmal jährlich die aktuellen Preise.
Spread bei exotischen ETFs
Willst du in Nischen-ETFs (z.B. Vietnam, Frontier Markets, Spezial-Themen) investieren, können Spreads von 0,5–2% entstehen. Für Standard-MSCI-ETFs ist das nicht relevant.
Welcher Anbieter passt zu mir?
Trade Republic – wenn du Einfachheit willst
- Sparrate unter 500 €/Monat → 1 € ist fair
- Nur 1–2 ETFs besparen
- Hauptsächlich mobil unterwegs
- Einsteiger ohne viel Börsenerfahrung
Scalable PRIME+ – wenn du mehrere ETFs besparen willst
- 4+ Sparpläne gleichzeitig
- Auch Einzel-Käufe und Verkäufe geplant (0 € Ordergebühr)
- Mehr Research und Tools gewünscht
- Sparrate über 300 €/Monat auf mehrere ETFs aufteilen
ING / DKB – wenn du eine Hausbank willst
- Girokonto bereits bei der Bank
- Sicherheit und Seriosität einer etablierten Bank wichtig
- Einfache Integration mit bestehendem Konto
- Standard-ETFs (MSCI World, etc.) ausreichend
Einsteiger: Trade Republic für den Start, 1–2 ETFs, einfach. Fortgeschrittene: Scalable PRIME+ wenn du mehr als 3 Sparpläne planst. Sicherheitsorientierte: ING oder DKB wenn dir ein etabliertes Institut wichtiger ist als maximale Kostenoptimierung. Alle ETF-Positionen kannst du danach in Growvly tracken und analysieren.