Fast 60% der Deutschen wissen nicht, wie hoch ihre persönliche Rentenlücke ist. Die meisten unterschätzen sie erheblich. Wir zeigen dir, wie du sie berechnen kannst – und was jetzt noch zu tun ist, je nachdem wie alt du bist.
Inhalt
🧮 Rentenlücken-Rechner – kostenlos
Was ist die Rentenlücke genau?
Die Rentenlücke (auch: Versorgungslücke) ist die Differenz zwischen dem, was du im Alter monatlich brauchst, und dem, was du an gesetzlicher und privater Rente tatsächlich bekommst. Sie zeigt, wie viel zusätzliches Privatvermögen du brauchst.
Bedarf im Alter = Heutiges Nettoeinkommen × 80% (Faustregel)
(wegen wegfallender Kosten: Kinder aus dem Haus, Kredit abgezahlt)
Beispiel: 3.000 € Netto × 80% = 2.400 € Bedarf − 1.200 € Rente = 1.200 € Lücke/Mo
Das Rentenniveau (Verhältnis Rente zu Durchschnittslohn) liegt 2026 bei rund 48%. Ein Durchschnittsverdiener mit 45 Beitragsjahren bekommt rund 1.800 € Bruttorente – nach Abzügen (Krankenversicherung, Steuer) oft unter 1.400 € netto. Für die meisten Menschen mit 2.500–4.000 € Nettoeinkommen entsteht eine erhebliche Lücke.
Gesetzliche Rente: Was ist wirklich zu erwarten?
Deine individuelle Rentenprognose bekommst du aus der jährlichen Renteninformation der Deutschen Rentenversicherung (ab 27 Jahren). Diese enthält drei Werte:
- Rente bei gleichbleibenden Verhältnissen: Wenn du genau so weitermachst
- Rente bei 0-Punkte-Jahren (z.B. Elternzeit ohne Einzahlung)
- Hochrechnung bis Renteneintritt
Wichtig: Die Rentenhöhe in der Renteninformation ist in heutigen Preisen angegeben. Die tatsächliche Rentenhöhe in 30 Jahren (inflationsbereinigt) ist diese Zahl. Durch 2% Inflation p.a. über 30 Jahre haben 1.200 € heute aber die Kaufkraft von nur ~660 € in heute's Preisen – Inflation frisst real.
| Bruttogehalt heute | Typische Bruttorente (45 J. Beitrag) | Nettorente ca. | Typischer Bedarf | Lücke |
|---|---|---|---|---|
| 2.000 € | 1.100–1.300 € | ~980 € | 1.400 € | ca. 420 €/Mo |
| 3.000 € | 1.600–1.900 € | ~1.350 € | 2.000 € | ca. 650 €/Mo |
| 4.000 € | 2.100–2.600 € | ~1.800 € | 2.800 € | ca. 1.000 €/Mo |
| 6.000 € | 2.400 € (BBG) | ~1.900 € | 4.000 € | ca. 2.100 €/Mo |
Richtwerte ohne Gewähr. Individuelle Prognose aus Renteninformation der Deutschen Rentenversicherung.
Rentenlücke schließen: Was jetzt noch hilft
1. ETF-Sparplan: Der effizienteste Weg
Für die meisten Deutschen ist ein konsequenter ETF-Sparplan die effizienteste Methode um die Rentenlücke zu schließen. Niedrige Kosten, globale Diversifikation, Flexibilität. Zum Sparplan einrichten gehts hier.
| Sparrate | Nach 20 Jahren (7%) | Monatl. Entnahme (4%) |
|---|---|---|
| 200 €/Mo | ~104.000 € | 345 €/Mo |
| 400 €/Mo | ~208.000 € | 693 €/Mo |
| 600 €/Mo | ~312.000 € | 1.040 €/Mo |
| 1.000 €/Mo | ~520.000 € | 1.733 €/Mo |
2. Betriebliche Altersvorsorge (bAV)
Wenn dein Arbeitgeber einen Zuschuss zahlt (gesetzlich mindestens 15% seit 2019), ist die bAV meist attraktiv. Einzahlungen sind bis 604 €/Monat steuerfrei (2026). Vorsicht: Im Alter sind bAV-Leistungen voll steuerpflichtig und sozialversicherungspflichtig – das reduziert den Nettoertrag.
3. Rürup-Rente (für Selbstständige)
Selbstständige ohne Rentenversicherungspflicht können mit Rürup-Rente bis zu 29.344 € (2026) jährlich steuerlich absetzen. Vorteil in der Einzahlungsphase (Steuerersparnis), Nachteil: Im Alter vollständig steuerpflichtig. Sinnvoll besonders für gut verdienende Selbstständige.
4. Immobilien als Altersvorsorge
Ein schuldenfreies Eigenheim im Alter reduziert Ausgaben erheblich (keine Miete). Vermietete Immobilien generieren laufende Einnahmen. Risiko: Illiquidität, Instandhaltungskosten, Klumpenrisiko. Als Teil der Vorsorge sinnvoll, nicht als alleinige Strategie.
Strategien nach Altersgruppe
Mit 20–30: Zinseszins als Superkraft
Zeit ist dein größter Vorteil. Selbst kleine monatliche Beträge wachsen über 35–45 Jahre zu erheblichem Vermögen. ETF-Sparplan sofort starten, Notgroschen aufbauen, Schulden tilgen.
Mit 30–40: Maximale Sparquote
Höheres Einkommen, weniger Lebenshaltungskosten (Ausbildung abgeschlossen). Sparquote maximieren, ggf. erste Immobilie, bAV optimieren, ETF-Sparplan ausbauen.
Mit 40–50: Lücke identifizieren, konkret handeln
Renteninformation lesen, persönliche Rentenlücke exakt berechnen, fehlende Mittel konkret planen. 15–25 Jahre bis Rente reichen noch für substantiellen Vermögensaufbau.
Mit 50–60: Absicherung, weniger Risiko
Portfolio schrittweise defensiver (80% Aktien → 60% bei 60+). Bestehende Schulden tilgen, ETF-Entnahmeplan vorbereiten. Noch 10–15 Jahre Zinseszins möglich.
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