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Immobilien als Geldanlage 2026: Lohnt sich das noch? Rendite, Risiken & Alternativen

📅 Mai 2026 ⏱ 18 Min. Lesezeit ✍️ Growvly Redaktion

Nach Jahren explodierender Preise und jetzt wieder leicht rückläufigen Märkten stellen sich viele Anleger die Frage: Lohnen sich Immobilien 2026 noch als Geldanlage? Die ehrliche Antwort: Es kommt massiv auf Lage, Preis und deine persönliche Situation an – und wir rechnen es durch.

Inhalt

  1. Immobilienmarkt Deutschland 2026: Die aktuelle Lage
  2. Rendite berechnen: Brutto vs. Netto – der Unterschied
  3. Der Kaufpreisfaktor: Wann ist eine Immobilie fair bewertet?
  4. Nebenkosten beim Kauf: Diese versteckten Kosten kommen dazu
  5. Vollständiges Rechenbeispiel: 350.000 € Wohnung
  6. Immobilien vs. ETF: Ein fairer Vergleich
  7. Checkliste: Wann lohnt sich der Kauf?
  8. Alternativen: REITs & Immobilien-ETFs
  9. Häufige Fragen

Immobilienmarkt Deutschland 2026: Die aktuelle Lage

Der deutsche Immobilienmarkt hat sich seit dem Hochpunkt 2022 merklich verändert. Steigende Zinsen (der Leitzins lag 2023/24 zeitweise über 4%) haben die Finanzierungskosten erhöht und die Kaufpreise in vielen Lagen unter Druck gebracht. 2026 stabilisiert sich der Markt:

📊 Trend 2026

Die EZB hat die Zinsen schrittweise gesenkt. Aktuell liegen 10-jährige Baufinanzierungen bei rund 3,5–4,0%. Dadurch verbessert sich die Finanzierbarkeit wieder – aber nicht auf das Niveau von 2019 (1,5–2%). Renditen über 4% netto sind realistisch nur in ausgewählten Lagen.

Rendite berechnen: Brutto vs. Netto – der Unterschied

Das größte Missverständnis beim Immobilien-Investment: Bruttorendite ≠ Nettorendite. Viele rechnen nur mit der Jahreskaltmiete geteilt durch den Kaufpreis – und unterschätzen die tatsächlichen Kosten massiv.

Bruttorendite Bruttorendite = (Jahreskaltmiete / Kaufpreis) × 100
Beispiel: 12.000 € Miete / 300.000 € KP = 4,0%

Nettorendite (realistischer) Nettorendite = ((Jahreskaltmiete − Kosten) / (Kaufpreis + Nebenkosten)) × 100
Kosten: Verwaltung + Instandhaltung + Leerstand + Versicherung
Faustformel: Nettorendite ≈ Bruttorendite − 1,5 bis 2,5 Prozentpunkte

Welche Kosten schmälern die Rendite?

Kostenart Typische Höhe Jährlich (bei 300.000 € Objekt)
Instandhaltungsrücklage1–1,5 € pro m² und Monat600–1.800 € (bei 100 m²)
Hausverwaltung25–35 € pro Monat300–420 €
Leerstand (Puffer)5–10% der Jahresnettomiete600–1.200 €
VersicherungenGebäude, Haftpflicht300–600 €
Nicht umlagefähige NKje Objekt200–400 €
Gesamt-Kosten2.000–4.400 €/Jahr

Der Kaufpreisfaktor: Wann ist eine Immobilie fair bewertet?

Der Kaufpreisfaktor (auch: Vielfaches) ist das wichtigste Bewertungsinstrument für Renditeobjekte. Er gibt an, wie viele Jahreskaltmieten der Kaufpreis beträgt:

Kaufpreisfaktor Kaufpreisfaktor = Kaufpreis / Jahreskaltmiete
Beispiel: 300.000 € / 12.000 € Kaltmiete = Faktor 25

Faktor 20 → Bruttorendite 5,0%
Faktor 25 → Bruttorendite 4,0%
Faktor 30 → Bruttorendite 3,3%
Faktor 35 → Bruttorendite 2,9%
Kaufpreisfaktor Bruttorendite Einschätzung Typische Lage
Unter 15über 6,7%Sehr attraktivLändliche Regionen, Kleinstädte
15–205–6,7%AttraktivB-/C-Städte, Randlagen
20–254–5%Ok für solide LagenB-Städte, gute Randlagen
25–303,3–4%Okay bei WertsteigerungserwartungB-Städte gute Lage, A-Städte Rand
Über 30unter 3,3%Renditearm – nur WertsteigerungMünchen, Hamburg Toplage
⚠️ Warnung: Kaufpreisfaktor über 30

Bei einem Faktor über 30 erzielst du nach Abzug aller Kosten oft eine negative Cashflow-Rendite – du zahlst mehr aus, als du einnimmst. Dann rechnest du ausschließlich auf Wertsteigerung – ein spekulativer Ansatz, der in der Vergangenheit mal aufgegangen ist, aber kein verlässliches Renditeprinzip ist.

Nebenkosten beim Kauf: Diese versteckten Kosten kommen dazu

Beim Kauf einer Immobilie fallen signifikante Nebenkosten an, die viele Anfänger unterschätzen. Diese musst du immer in die Eigenkapitalplanung einrechnen – Banken finanzieren sie in der Regel nicht:

Kostenart Höhe Pflicht?
Grunderwerbsteuer3,5% (Bayern) bis 6,5% (Brandenburg, NRW)Ja
Notar & Grundbuchca. 1,5–2%Ja
Maklerprovisionbis 3,57% (Käuferanteil)Optional
Bankgebühren0,1–0,5%Je nach Bank
Gesamt5–12%

Bei einem 350.000 € Objekt sind das 17.500 – 42.000 € Kaufnebenkosten, die du sofort als Kosten abschreiben musst. Diese verzinsen sich nicht und reduzieren deine tatsächliche Gesamtrendite erheblich.

Vollständiges Rechenbeispiel: 350.000 € Wohnung

Annahmen: 3-Zimmer-Wohnung, 75 m², Kaufpreis 350.000 €, Kaltmiete 1.200 €/Monat, Fremdfinanzierung 280.000 € (80%) zu 3,8% für 20 Jahre.

📊 Vollständige Kalkulation: Jahr 1

Jahreskaltmiete (Sollmiete)14.400 €
Leerstand 5% Puffer−720 €
Instandhaltung (1 €/m²/Monat)−900 €
Hausverwaltung−360 €
Versicherungen−400 €
Nicht umlagefähige Nebenkosten−300 €
Netto-Mieteinnahmen11.720 €
Zinszahlungen (3,8% auf 280.000 €)−10.640 €
Tilgung (2%)−5.600 €
Cashflow nach Finanzierung−4.520 €/Jahr
Davon: AfA-Vorteil (~2.450 €) + Steuerca. +800–1.200 €
Netto-Cashflow (realistisch)ca. −3.300 €/Jahr
💡 Was das bedeutet

Diese Wohnung kostet im ersten Jahr rund 275 €/Monat aus der eigenen Tasche. Du baust aber gleichzeitig Eigenkapital auf (Tilgung), profitierst von möglicher Wertsteigerung und Mietsteigerungen über Zeit. Nach 10 Jahren Tilgung verbessert sich der Cashflow deutlich. Das ist kein Verlust – aber kein passives Einkommen ab Tag 1.

Nettorendite auf Eigenkapital (ROE)

Die interessanteste Kennzahl für hebelbewusste Anleger: Wie viel Rendite auf das eingesetzte Eigenkapital?

Eigenkapitalrendite (ROE) Eigenkapital eingesetzt: 70.000 € (EK) + 28.000 € Nebenkosten = 98.000 €
Netto-Mieteinnahmen: 11.720 €
Cashflow nach Finanzierung: −4.520 € (negativ)

Eigenkapitalrendite rein: 11.720 / 98.000 = 11,9% (auf Brutto-EK)
→ Das ist die Hebelwirkung: Mit 25% EK kontrollierst du 100% des Objekts

Immobilien vs. ETF: Ein fairer Vergleich

🏘️ Immobilien

Hebeleffekt✓ Stark
Inflationsschutz✓ Sehr gut
Steuern (AfA, Zinsabzug)✓ Vorteilhaft
Passiv✗ Aufwand nötig
Liquidität✗ Sehr niedrig
Diversifikation✗ Konzentriert
Mindestkapital✗ Hoch (70k+)

📈 ETF Sparplan

Hebeleffekt✗ Keiner (normal)
Inflationsschutz~ Mittel
Steuern~ 26,375% Abgeltung
Passiv✓ Vollautomatisch
Liquidität✓ Täglich
Diversifikation✓ Global
Mindestkapital✓ Ab 1 €

Die wichtigste Erkenntnis: Es ist keine Entweder-oder-Frage. Ideale Vermögensstruktur für die meisten Anleger ist eine Kombination: ETF-Sparplan als Basis, Immobilie als Hebel wenn Kapital und persönliche Situation passen.

Checkliste: Wann lohnt sich der Kauf?

🚨 Wann du es besser lassen solltest

Kaufpreisfaktor über 30, weniger als 15% Eigenkapital, negativer Cashflow ohne klare Wertsteigerungserwartung, kein finanzieller Puffer für Leerstand oder größere Reparaturen, oder wenn du auf die Mieteinnahmen zum Lebensunterhalt angewiesen bist.

Alternativen: REITs & Immobilien-ETFs

Nicht jeder hat 70.000+ € Eigenkapital oder die Zeit für Vermietung. Immobilien-ähnliche Renditen gibt es auch über:

REITs (Real Estate Investment Trusts)

REITs sind börsengehandelte Immobilienunternehmen, die mindestens 90% ihres Gewinns als Dividende ausschütten müssen. Du profitierst von Immobilienrenditen ohne das operative Risiko. Beispiele: Vonovia, Deutsche Wohnen, global diversifiziert über REIT-ETFs wie den Xtrackers FTSE EPRA/NAREIT Global Real Estate UCITS ETF.

Offene Immobilienfonds

Deutsche offene Immobilienfonds (z.B. Deka Immobilien, UniImmo) investieren in Gewerbeimmobilien und bieten stabilere Renditen (~2–4% p.a.). Nachteil: Rückgabefristen (12 Monate Ankündigungsfrist), geringere Transparenz.

Immobilien-Crowdinvesting

Plattformen wie Exporo oder Engel & Völkers Digital Invest bieten Beteiligungen ab 500 € an Immobilienprojekten. Renditen von 5–8% möglich – dafür höheres Risiko (Nachrangdarlehen, Projektentwicklungsrisiko).

💡 Growvly: Alles in einem Dashboard

Mit Growvly kannst du Immobilien-Investments (direkt oder REITs), ETF-Positionen und Tagesgeld zusammen verwalten und den Gesamtwert deines Portfolios im Blick behalten – inklusive passivem Einkommen und FIRE-Fortschritt.

Häufig gestellte Fragen

Lohnen sich Immobilien als Geldanlage 2026 noch?
Ja, aber nicht überall. In A-Städten mit Kaufpreisfaktoren über 30 ist die Renditeerwartung gering. In B-Städten und gut gewählten Lagen sind noch 3,5–5% Bruttorendite möglich. Entscheidend: Kaufpreisfaktor, Finanzierungskosten und deine persönliche Situation.
Wie viel Eigenkapital brauche ich für eine Renditeimmobilie?
Banken verlangen typischerweise 20–25% des Kaufpreises als Eigenkapital, plus die Kaufnebenkosten (8–12%). Bei einem 300.000 € Objekt also rund 84.000–111.000 € Eigenkapital. Mit weniger als 15% EK werden Zinsen deutlich teurer.
Was ist der Unterschied zwischen Brutto- und Nettorendite?
Die Bruttorendite ist (Jahreskaltmiete / Kaufpreis) × 100. Die Nettorendite zieht alle Kosten ab: Instandhaltung, Verwaltung, Leerstand, Versicherung. Die Nettorendite liegt typischerweise 1,5–2,5 Prozentpunkte unter der Bruttorendite.
Immobilien oder ETF: Was ist besser für Vermögensaufbau?
Beide haben ihre Berechtigung. ETFs sind simpler, liquider und günstiger im Einstieg. Immobilien bieten Hebelwirkung und Steuervorteile, erfordern aber mehr Kapital und Aufwand. Optimal ist eine Kombination aus beiden Anlageklassen.
Kann man mit Immobilien finanzielle Freiheit erreichen?
Ja – aber es erfordert mehrere Objekte und Zeit. Ein Objekt mit 500 €/Monat positivem Cashflow nach allem ist schon außergewöhnlich. Für 3.000 €/Monat passiv aus Immobilien braucht es typischerweise 5–10 schuldenfreie Objekte – oder sehr früh gekaufte Objekte mit günstigem Kaufpreis.

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